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Frauen am Berg – einst und jetzt


Begrüßung des zahlreichen Publikums durch Renate Nowack

„Voi dabei“ sind Frauen im Bergsport schon lange! Diese Botschaft vermittelte der – in Anlehnung an das gleichnamige Magazin des Alpenvereins Edelweiss gewählte – Titel der Veranstaltung am 11. April 2019: „Voi dabei: Frauen am Berg – einst und jetzt“. Auf Einladung der Frauenseilschaft spannten drei Frauen mit unterschiedlichen Zugängen den Bogen von Röcken tragenden Bergpionierinnen bis zu den heutigen Gipfelstürmerinnen in mit Sponsoren-Logos übersätem Berg-Outfit. Abhängigkeiten, nicht nur ökonomischer Natur, gab und gibt es nach wie vor – und auch die typischen Vorurteile, die bergsteigenden Frauen entgegengebracht werden, sind noch nicht ausgestorben.


v. l. n. r.: Irmgard Schuster, Eva Maria Bachinger, Rosa Diketmüller

„It goes, Boys!“

Die erste Referentin, die Journalistin und Autorin Eva Maria Bachinger, ist selbst passionierte Bergsteigerin. In ihrem Buch „Die besten Bergsteigerinnen der Welt“ bietet sie einen geschichtlichen Überblick und porträtiert die vier Frauen, die alle 14 Achttausender bestiegen haben. „Die Geschichte des Frauenbergsteigens reicht bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück“, erklärte Bachinger. Damals waren es wohlhabende, zum Teil adelige Frauen, die die Berge für sich entdeckten. Ihre Leistungen wurden nicht anerkannt, sondern ihren männlichen Begleitern, die sie wohl „hinaufgetragen“ hätten, zugeschrieben.

Frauen aufgrund ihrer geringeren Muskelkraft im Bergsport nichts zuzutrauen, greife aber zu kurz, so Bachinger, da sie Kraft oft mit guter Technik wettmachen würden. Als Beispiel führte sie die Kletterin Lynn Hill an. Die zierliche US-Amerikanerin kletterte in den frühen 1990ern als erster Mensch die Route „The Nose“ am El Capitan im Yosemite-Nationalpark frei. „It goes, Boys!“, zitierte Bachinger Hills legendären Ausspruch.

Die Autorin schilderte ihre Gespräche mit den vier Bergsteigerinnen, die darum wetteiferten, wer zuerst alle Achttausender schaffen würde. Der – nicht unumstrittene – erste Platz ging an Oh Eun-Sun aus Südkorea, dicht gefolgt von der Spanierin Edurne Pasaban. Bei Nummer drei, der Österreicherin Gerlinde Kaltenbrunner, sorgte ihr Mann und Manager dafür, dass möglichst auf allen Pressefotos die Sponsoren-Logos auf der Kleidung zu sehen waren. Der Ehemann der Italienerin Nives Meroi war auch ihr Seilpartner. Als er schwer erkrankte, verschob sie die Besteigung der restlichen Achttausender bis zu seiner Genesung.

Mit Ines Papert, der sie ebenfalls ein Kapitel in ihrem Buch gewidmet hatte, stellte Bachinger eine sehr untypische Alpinistin vor: Die Deutsche ist nicht nur Eiskletterweltmeisterin, sondern auch Mutter. Auf die bei fast jedem Interview gestellte Frage, wie sie ihrem Kind gegenüber verantworten könne, so gefährliche Touren zu gehen, hat sich Papert laut Bachinger folgende Antwort zurechtgelegt: „Fragen Sie das männliche Bergsteiger auch?“

Geschlechterrollen im Wandel

Aus der Perspektive der Frauen- und Genderforschung nahm Rosa Diketmüller in ihrem Referat zum Thema Frauen am Berg Stellung. Sie ist Assistenzprofessorin am Institut für Sportwissenschaft der Universität Wien, Initiatorin der Plattform „Frauen im Sport“ sowie österreichische Leiterin des EU-Projekts „VOICE – Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt im europäischen Sport durch die Stimmen der Betroffenen“. Und selbst Bergsteigerin – auch wenn sie bisher „nur“ einen Sechstausender erklommen hat, wie sie erzählte.

Acht Achttausender bestieg Wanda Rutkiewicz, bevor sie vom Aufstieg auf den neunten, den an der Grenze zwischen Nepal und Indien gelegenen Kangchendzönga, nicht mehr zurückkehrte. „Ich musste das Gleiche leisten wie die männlichen Teilnehmer, damit ich überhaupt das Recht auf einen Gipfelversuch erhielt. Um akzeptiert zu werden, müssen Frauen eigentlich besser sein als Männer“, zitierte Diketmüller die polnische Bergpionierin.

Rutkiewicz, die sieben Frauenexpeditionen führte, empfand gemischte Teams als „Stress“, so Diketmüller. Diese würden einer Frau die Chance nehmen zu zeigen, dass sie – auch ohne männliche Begleitung – die gleiche Leistung erbringen könne wie ein Mann. Kritik an Rutkiewicz kam vor allem von Männern, die ihr einen diktatorischen Führungsstil und eine schwierige Beziehung zu anderen Bergsteigerinnen zum Vorwurf machten.

Mit negativen Kommentaren waren laut Diketmüller auch die vier Frauen, die alle 14 Achttausender bestiegen hatten, konfrontiert. Ein wesentlicher Grund dafür: „Wettkampf und Konkurrenz werden nicht als passend für Frauen angesehen.“ Dass manchmal auch Neid mitschwingt, wenn Männer die Fähigkeiten von Extrembergsteigerinnen – etwa der kleinen, zierlichen Oh Eun-Sun – anzweifeln, schloss Diketmüller nicht aus, ortete aber Fortschritte: „Geschlechterrollen sind im Wandel begriffen.“

Starke Frau, schwacher Mann?

Nicht nur Frauen, sondern auch Männer werden mit abwertenden Äußerungen bedacht, wenn sie nicht dem herrschenden Rollenbild entsprechen. Das weiß Irmgard Schuster, mittlerweile pensionierte Sportlehrerin und langjährige Trainerin in der Sektion Edelweiss, aus eigener Erfahrung. In den 1970ern lief sie Marathons mangels weiblicher Teilnehmender in der Männerklasse und war sogar zehn Jahre lang österreichische Rekordhalterin. Über das Berglaufen kam sie zum Bergsteigen und zum Klettern.

Dabei stieg sie vor und ihr Lebens- und Seilpartner nach, woraufhin ihn einige seiner Geschlechtsgenossen als schwach verspotteten. Umgekehrt wurde sie als  erste Frau in die Alpinschule Edelweiss sehr schnell akzeptiert. Einer ihrer Bergkameraden begründete das mit „Du bist groß.“ Sie selbst fand und findet es – ganz abgesehen von der Körpergröße – völlig normal, dass Frauen Bergsport betreiben.

Der ORF sah das nicht so, wie sich Schuster erinnert. Die erste österreichische Frauenexpedition auf einen Achttausender, die Wanda-Rutkiewicz-Gedächtnisexpedition im Jahr 1994, an der Schuster als eine von 14 Frauen teilnahm, wurde von einem österreichischen Fernsehteam dokumentiert. Dabei stellte man die angespannte Stimmung und die Meinungsverschiedenheiten als typisch für eine reine Frauengruppe dar.

„Das war nicht anders als unter Männern oder bei einer gemischten Expedition“, ist Schuster überzeugt, die die angesprochenen Probleme auf die schwierigen Bedingungen vor Ort zurückführte: Die Reißverschlüsse der von einem Sponsor zur Verfügung gestellten Zelte waren schon im Basislager auf 5.500 Metern kaputt. Dort hatte es minus 37 Grad Außentemperatur – und im Zelt wenig gemütliche minus 27. Die Wetterbedingungen waren so schwierig, dass es nur an zwei Tagen bei vertretbarem Risiko möglich war, den Gipfel zu erreichen – was immerhin einer der Österreicherinnen gelang.


Gerda Walenta

Nichts zugetraut

Als „Draufgabe“ las Gerda Walenta, Leiterin des Edelweiss-Seniorenclubs 75+ und seit 1949 Edelweiss-Mitglied, aus ihren Aufzeichnungen über ihre erste Bergfahrt mit dem Alpenverein Edelweiss in den Dolomiten. Als Frau und noch dazu als Wienerin traute man ihr nichts zu. „Du brichst uns doch schon am ersten Tag zusammen“, bekam sie zu hören. Dass ihr die Tour mit sehr gemischten Gefühlen in Erinnerung geblieben ist, hat allerdings einen anderen Grund: Eine Seilschaft, die zur gleichen Zeit in dem Gebiet unterwegs war, fand während eines Gewitters den Tod. Walenta brachte das Erlebte zu Papier, denn: „Man soll die Geschichten aufschreiben, wenn man in den Bergen war.“


Mit Rock am Berg

Frei, mutig, selbstbewusst

Manchmal sagt ein Bild mehr als viele Worte. In alten Bergsport-Magazinen wurden Frauen in langen Röcken gern als dekoratives Element in der Landschaft drapiert. Waren Frauen allerdings allein unterwegs, verstauten sie den unpraktischen Rock, sobald sie die Zivilisation hinter sich gelassen hatten, oft im Rucksack.

Wie es sich anfühlt, in Röcken wie anno dazumal zu klettern, wollten wir Frauen der Frauenseilschaft selbst ausprobieren. Das Ergebnis war einerseits die Erkenntnis, dass einem auch ein kürzerer Rock ganz schön in die Quere kommen kann, wenn man hoch ansteigt, andererseits eine Fotoserie von Frauen in bunten Pettycoats. Die auf Posterformat vergrößerten Fotos flankierten die gut gefüllten Sitzreihen im Vortragsraum. Auf den Bildern zu sehen waren betont weiblich gestylte Kletterinnen, die ihre in Schlagworten auf den Punkt gebrachten Botschaften mit Augenzwinkern vermittelten: Frauen am Berg sind frei, mutig, entspannt, selbstbewusst, keine Anhängsel ihrer männlichen Bergkameraden, sondern stehen selbst im Vordergrund. Und sie sind gern gemeinsam unterwegs – z. B. in der Frauenseilschaft!

Romy Pexa

 

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